Vor der somalischen Küste haben Piraten den Treibstoff- und Chemikalientanker MT Asana in ihre Gewalt gebracht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters befinden sich 20 Besatzungsmitglieder an Bord, darunter acht deutsche und zehn philippinische Staatsangehörige. Die Nationalität der beiden übrigen Seeleute ist bislang nicht bekannt. Reuters beruft sich dabei auf zwei Einwohner der somalischen Küstenregion Puntland, nicht auf eine offizielle Bestätigung der Behörden. Einer der Männer bezeichnete sich als ehemaliger Pirat.
Der unter tansanischer Flagge fahrende Tanker wurde nach dem 17. Juli 2026 im Golf von Aden südlich der jemenitischen Hafenstadt Al Mukalla überfallen. Die britische Meldestelle für die Handelsschifffahrt UKMTO registrierte dort einen Zwischenfall rund 65 Seemeilen vor der Küste, wie Euronews berichtet. In der Meldung heißt es, das Schiff sei zunächst "von Unbekannten geentert" und anschließend "in somalische Gewässer gebracht" worden. Die UKMTO stufte den Vorfall später als Entführung des Schiffes ein.
Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete bereits am 19. Juli unter Berufung auf Sicherheitskreise und örtliche Amtsträger von sieben bewaffneten somalischen Piraten. Öffentlich zugänglichen Positionsdaten zufolge bewegte sich die MT Asana nach dem Überfall nur noch mit etwa zwei Knoten. Der Tanker wurde schließlich vor Caluula im Nordosten Somalias festgehalten. Zu diesem Zeitpunkt waren Anzahl und Nationalität der Besatzungsmitglieder allerdings noch nicht bekannt. Über den Verletzten liegen weiterhin keine bestätigten Angaben vor.
Ein Einwohner Caluulas sagte Reuters später, er habe beobachtet, wie der Entführer Lebensmittel zum Tanker transportierte. Dies könnte darauf hindeuten, dass sie sich auf eine längere Geiselnahme vorbereiten. Eine Lösegeldforderung wurde bisher nicht bekannt. Das Auswärtige Amt erklärte Reuters lediglich, Entführungen deutscher Staatsangehöriger im Ausland grundsätzlich nicht zu kommentieren.
Der Fall unterstreicht die erneute Verschärfung der Sicherheitslage am Horn von Afrika. Die Piraterie vor Somalia war nach ihrem Höhepunkt um das Jahr 2011 durch internationale Marineeinsätze, bewaffnete Sicherheitsteams und bessere Schutzmaßnahmen auf Handelsschiffen deutlich zurückgedrängt worden. Seit Ende 2023 häufen sich jedoch erneut Angriffe und Entführungen.
Die EU-Mission Atalanta bestätigte noch im April 2026 zwei Pirateriefälle an der nördlichen Küste Somalias. Das International Maritime Bureau verzeichnete weltweit für das Jahr 2025 insgesamt 137 Piraterie- und Raubüberfälle auf Schiffe, nach 116 Fällen im Vorjahr. Zwar werde die Gefahr für Somalia weiterhin durch die internationale Marinepräsenz begrenzt, beseitigt sei sie jedoch nicht.
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