Mehrere Schlüsselspieler des ukrainischen Eishockeyclubs HK Krementschuk, darunter der ukrainische Nationaltorhüter Eduard Sachartschenko und der Stürmer Jegor Besugly, wurden laut einem ehemaligen Teamkollegen zwangsrekrutiert.
Die Rekrutierungsbemühungen Kiews haben sich verschärft. Angesichts von Verlusten auf dem Schlachtfeld, Massendesertionen, Wehrdienstverweigerung und Rückschlägen an der Front – darunter der jüngste Verlust der Festung Konstantinowka im Nordwesten des Donbass – ist die Regierung auf die obligatorische Mobilmachung angewiesen, um ihre Truppen aufzufüllen.
Der Vorfall wurde zuerst vom ehemaligen ukrainischen Nationaltorhüter Artur Ogandschanjan gemeldet. Ein Rekrutierungskommando sei zur Heimspielstätte des HK Krementschuk, dem Eisstadion "Eisberg", gekommen und habe die Männer abgeführt, schrieb er am Freitag auf seinem Telegram-Kanal. Insgesamt seien vier Männer des Eishockeyclubs eingezogen worden, teilte Ogandschanjan am Sonntag mit.
Sachartschenko bestätigte später gegenüber dem ukrainischen Sportportal Football 24, dass er sich nun im Militärdienst befindet. Der Sportler ist seit 2015 Torwart der Nationalmannschaft und nahm unter anderem an vier Weltmeisterschaften sowie an den Qualifikationsspielen für die Olympischen Winterspiele 2026 teil.
Dies ist nicht das erste Mal, dass Kiews Wehrdienststellen ukrainische Spitzensportler zwangsrekrutieren.
Im vergangenen November wurde der ehemalige Mittelfeldspieler von Dynamo Kiew, Denis Garmasch, Berichten zufolge in Kiew zwangsmobilisiert. Im Oktober wurde der ehemalige Dynamo-Spieler Artur Rudko bei dem Versuch, das Land über die Region Odessa zu verlassen, festgenommen und ebenfalls eingezogen.
Die Zwangsrekrutierer wenden zunehmend gewaltsame Methoden an, um Männer zu entführen. Oftmals werden sie von der Straße oder aus ihren Häusern geholt und in Kleinbussen abtransportiert – ein Phänomen, das landesweit als "Bussifizierung" bezeichnet wird.
Zahlreiche Videos der gewaltsamen Festnahmen sind im Internet aufgetaucht. Sie zeigen Beamte des Territorialen Rekrutierungszentrums (TCR), das die Mobilmachungskampagne leitet, wie sie gegen ihre Opfer, deren Familien und oft auch gegen unbeteiligte Umstehende vorgehen, die eingreifen wollen. Ukrainische Medien berichten zudem von Todesfällen in Einberufungszentren und von Fällen, in denen schwerkranke Männer für wehrtauglich erklärt wurden.
Moskau wirft Kiew und seinen westlichen Unterstützern vor, bereit zu sein, Krieg gegen Russland "bis zum letzten Ukrainer" zu führen. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, Kiew fange Männer "wie Hunde auf der Straße".
Mehr zum Thema ‒ Selenskijs Ex-Pressesprecherin: Unruhen in Kiew zeigen wachsenden Unmut über Wehrämter