"Ich wollte mich selbst prüfen und zeigen, dass das Unmögliche möglich ist", erklärt Iwan Kotschetkow seine Reisemotivation im Gespräch mit der Nachrichtenagentur RBC. Der 24-jährige Bewohner der russischen Region Stawropol hat vor wenigen Tagen eine zweimonatige Autoreise von Russland in die Vereinigten Arabischen Emirate beendet. Rund 4.000 Kilometer von Stawropol nach Dubai legte er mit einem WAS-2107 "Schiguli" zurück, einem seit 1982 produzierten sowjetischen Klassiker und bis heute einem der günstigsten Autos auf dem russischen Markt. Kotschetkow erinnert sich:
"Das Auto kaufte ich für 57.000 Rubel (umgerechnet knapp 670 Euro) bei einer Insolvenzversteigerung. Der Wagen hat das Baujahr 2005 und hatte zum Zeitpunkt des Kaufs 21 Jahre lang einen einzigen Besitzer und einen Kilometerstand von über 160.000 Kilometern. Damals hatte ich noch keinen konkreten Plan, doch später kam die Idee einer großen Reise auf. Ich war interessiert, ob der Wagen eine so lange Strecke durchhält. Alle sagten, dass ich es nicht schaffen würde."
Kotschetkow betonte, dass er speziell einen sowjetischen Wagen fahren wollte:
"Schiguli ist ein Kultauto, das von unseren Vätern und Großvätern gefahren wurde. Ich wollte das Gleiche empfinden, wie die Menschen früher. Dieses Auto ist durch seine Einfachheit interessant. Es hat praktisch keine Elektronik, und die meisten Pannen lassen sich selbstständig unterwegs beheben."
Bei der Instandsetzung seines Wagens vor der Reise behielt Kotschetkow die meisten originalen Bauteile bei. Er ersetzte lediglich den Fahrersitz durch einen Sitz aus einem Mercedes-Wagen – für besseren Rückenkomfort – und baute einen größeren Kühler ein.
Die Reise nach Dubai dauerte rund zwei Monate und führte durch Georgien, Armenien, die Türkei, den Irak, Jordanien und Saudi-Arabien. Wegen des Iran-Kriegs musste die ursprünglich geplante Route geändert werden. Im Irak legte Kotschetkow rund 900 Kilometer durch die Wüste zurück – bei Temperaturen um die 40 Grad und im sogenannten "Dreieck des Todes", einem Gebiet mit erhöhter Gefahr krimineller Angriffe. Dabei wurde er von irakischen Militärangehörigen eskortiert. Dennoch betont der Reisende, dass gerade der Irak bei ihm die schillerndsten Eindrücke hinterlassen habe.
Kotschetkows ursprüngliches Reisebudget belief sich auf 500 US-Dollar: "Das restliche Geld wurde für die Vorbereitung des Autos ausgegeben." Nachdem das Geld noch in der Türkei ausgegeben worden war, musste der Reisende improvisieren:
"Ich musste einige persönliche Sachen gegen Sprit und Essen eintauschen. Doch die Einheimischen waren sehr hilfsbereit. Dank ihrer Gastfreundschaft konnte ich an Hotels sparen, denn ich übernachtete bei den Leuten zu Hause. Sie gaben mir zu essen und betankten sogar manchmal kostenlos mein Auto."
Zusätzliche Kosten fielen in Saudi-Arabien an, wo Kotschetkow an einigen Stellen 100 bis 200 US-Dollar Maut zahlen musste. Dabei wurde er durch Spenden von Abonnenten seines Telegram-Kanals unterstützt. Insgesamt beliefen sich die Reisekosten auf rund 1.500 US-Dollar. Das Auto überstand die Reise ebenfalls ohne größere Pannen und erforderte erst in Dubai eine Wartung. Unterwegs wurden Kotschetkow und sein Wagen zu einer kleinen Sensation:
"Nicht nur in Dubai, sondern auch in anderen Ländern waren die Leute über das Auto erstaunt und begeistert. Ich denke, kein anderer Wagen zog so viel Aufmerksamkeit auf sich wie der Schiguli. Besonders viel Verwunderung riefen die russischen Kennzeichen und die Aufkleber hervor, die klarmachten, dass es ein Abenteuerwagen ist. Zuerst glaubten einige Internetnutzer gar nicht, dass es möglich ist, und behaupteten, alle Bilder wurden durch KI erstellt."
Gegen fünf Uhr morgens Ortszeit fuhr Kotschetkow in Dubai ein. Er erinnert sich:
"Es war Sonnenaufgang, ich dachte, dass ich den Burj Khalifa sehen muss. Ich fand einen Parkplatz auf einem Dach mit einer unglaublich schönen Aussicht. Ich saß einfach zwei, drei Stunden lang auf meinem Auto, rief Verwandte an und ließ sie wissen, welche überwältigenden Gefühle mich gerade ergriffen."
Als stärksten Eindruck hebt der Reisende allerdings die zwischenmenschlichen Kontakte hervor:
"Am stärksten prägten sich bei mir die Emotionen der Menschen und die unglaubliche Güte, Offenheit und Unterstützung ein, der ich während der Reise begegnete."
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