In Deutschland nimmt die politische und wirtschaftliche Unsicherheit zu, weswegen viele Menschen wichtige Entscheidungen aufschieben. Dies geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervor, die im Auftrag der Unternehmensberatung Bearingpoint durchgeführt wurde. Demnach gaben 17 Prozent der Befragten an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten größere Anschaffungen wie ein Auto, Haushaltsgeräte oder Elektronik aufgeschoben haben. Acht Prozent hielten sich bei Geldanlagen und Altersvorsorge zurück, sechs Prozent sogar bei der eigenen Lebensplanung. Fünf Prozent der Befragten zögerten in Angelegenheiten der Karriere und des Wohnens wie etwa bei Jobwechseln, Immobilienkäufen und Miete.
Obwohl mit 59 Prozent eine Mehrheit der Befragten angab, keine wichtigen Entscheidungen aufgeschoben zu haben, und sich zwölf Prozent unsicher waren oder keine Angaben machten, machen sich Experten vor einer Beeinträchtigung des wirtschaftlichen Wachstums durch geändertes Verhalten Sorgen. So sagte Iris Grewe, Regionalleiterin bei Bearingpoint, nach Angaben der Welt:
"Wenn Entscheidungen systematisch aufgeschoben werden, verliert eine Volkswirtschaft an Tempo. Das ist ökonomisch relevanter, als kurzfristige strukturelle Schwankungen."
Grewe behauptete weiter, dass Zurückhaltung der Privathaushalte zum Ausbleiben von Investitionen und zu stockendem Wachstum führen könne.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist der pessimistische Blick auf die Zukunft. So glaubt die Mehrheit der Befragten, dass es der nächsten Generation – also Menschen, die in 15 Jahren etwa 30 Jahre alt sein werden, im Vergleich zu denjenigen, die heute etwa 30 sind – schlechter gehen wird. So halten 19 Prozent der Befragten dies für sicher, weitere 38 Prozent für wahrscheinlich. Vorsichtig optimistisch sind dagegen nur zehn Prozent der Befragten, und nur zwei Prozent sagen, dass es der nächsten Generation auf jeden Fall besser gehen werde. Auch in diesem Zusammenhang machte sich Grewe vor allem um das Wirtschaftswachstum Sorgen:
"Wenn eine Generation nicht mehr daran glaubt, dass es ihr wirtschaftlich besser gehen wird, ist das nicht nur ein subjektives Gefühl von Handlungslosigkeit, sondern ein Risiko für den Standort."
Die Umfrage war vom 8. bis 10. April unter 2.096 Personen durchgeführt worden und ist für volljährige, in Deutschland wohnhafte Menschen repräsentativ.
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