Die Äußerungen von US-Präsident Trump bezüglich der Möglichkeit einer bald bevorstehenden Wiedervereinigung Irlands haben nicht nur bei seinen irischen Gastgebern für Aufruhr gesorgt. Die Atlantik-Insel im Nordwesten Europas ist bekanntlich seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zwischen dem Vereinigten Königreich und der Republik Irland geteilt.
Bis ins 21. Jahrhundert hinein zogen sich die gewalttätigen Auseinandersetzungen im britischen Nordosten hin, bis die IRA im Jahr 2005 den bewaffneten Kampf für beendet erklärte. Doch noch immer ist eine mögliche Wiedervereinigung der beiden Inselhälften ein heikles Thema. Dies sollte auch Donald Trump zu spüren bekommen.
Einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur zufolge hatte Trump am Samstag anlässlich eines Treffens mit dem irischen Regierungschef Micheál Martin in Dublin bezüglich Irland erklärt: "Ich würde es sehr gern vereint sehen." Da es ohnehin irgendwann dazu kommen werde, könne es genauso gut jetzt passieren, meinte der US-Präsident. Er habe Freunde auf beiden Seiten, die großartige Menschen seien: "Es sind Iren, wie könnte das etwas Schlechtes sein?"
Premierminister Micheál Martin sei genau der richtige Mann für die Verwirklichung dieser Pläne, bei denen allerdings auch das Vereinigte Königreich etwas mitzureden habe. Später legte Trump noch nach und bekräftigte seine Haltung mit den Worten, eine Wiedervereinigung der Insel wäre eine "ziemlich coole Sache".
Die Einmischung Trumps stieß auf ein gemischtes Echo. Mary Lou McDonald, Vorsitzende von Sinn Féin, einer Partei, die sich sowohl in Irland als auch in Nordirland für die Wiedervereinigung der Insel engagiert, nannte Trumps Vorstoß "an der Zeit".
Bei den Unionisten in Nordirland, die für einen Verbleib des Inselteils beim Vereinigten Königreich plädieren, erhob sich dagegen Widerspruch. Gavin Robinson, der Vorsitzende der pro-britischen Democratic Unionist Party (DUP), betonte, dass über die Zukunft Nordirlands dessen Bevölkerung entscheiden werde, nicht Kommentare in London, Dublin oder Washington. Man habe kein Interesse "an der Zerstörung unseres Landes durch einen Anschluss an die Republik Irland".
Auch London reagierte reserviert auf Trumps Äußerungen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge ließ ein Sprecher des britischen Premierministers am Samstag verlautbaren, die Haltung des Premiers bleibe unverändert und die Abspaltung Nordirlands vom Vereinigten Königreich stehe nicht zur Debatte.
Die britische Wohnungsbauministern Angela Rayner betonte am Sonntagmorgen gegenüber dem britischen Sender Sky News, ihre Regierung nehme die Gültigkeit des Karfreitagsabkommens sehr ernst. Und auch Nordirlandminister Chris Bryant nahm auf der Plattform X Bezug auf diese im Jahr 1998 geschlossene Vereinbarung.
Dazu schrieb Bryant: "Falls jemand einen schnellen Auffrischungskurs zu Verfassungsfragen in Nordirland benötigt, hänge ich die wichtigsten Teile des Belfast-Abkommens vom Karfreitag an. Ich hoffe, das ist hilfreich."
Dabei hob er die Vereinbarungen bezüglich eines Referendums in Nordirland besonders hervor. Dem Karfreitagsabkommen zufolge darf der jeweilige britische Nordirlandminister nur dann ein Referendum ansetzen, wenn absehbar ist, dass eine Mehrheit der Wähler für eine Vereinigung mit der Republik Irland stimmen würde. Die nordirische Bevölkerung ist in dieser Frage weiterhin tief gespalten.
Nach all der Aufregung war der Sonntag nun dem eigentlichen Zweck von Trumps Irland-Besuch gewidmet, dem Golf-Wettbewerb Irish Open in Doonbeg im County Clare. Der dortige Golfplatz gehört Donald Trump seit dem Jahr 2014.
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