Flugverbotszone über Ukraine: Für Trump zu hohes Kriegsrisiko

Neuerdings wird viel spekuliert, ob Washington eine Flugverbotszone im ukrainischen Luftraum erzwingen könnte. Ein solcher Versuch birgt allerdings derart hohe Sicherheitsrisiken für die USA selbst, dass er kaum realistisch erscheint.

Von Ilja Kramnik

Jüngste Spekulationen darüber, dass Trump angeblich eine Luftraumsperrung als Sicherheitsgarantie für die Ukraine zulassen würde, haben vor allem die bezeichnende Eigenschaft, dass sich in Trumps Originalaussagen kaum etwas Vergleichbares findet. So fragte ein Journalist Trump nach der Möglichkeit einer Luftraumsperrung als Sicherheitsgarantie. Trumps Antwort, bei der er zwar versprach, darüber nachzudenken, ließ sich jedoch im Wesentlichen auf Folgendes herunterbrechen:

"Wir werden ein Abkommen haben – mit oder ohne Sicherheitsgarantien – und dann werden sie gar keine erst brauchen."

Anschließend merkte er an, dass "bestimmte Sicherheitsgarantien gegeben werden könnten", äußerte sich jedoch nicht konkret zu einer Luftraumsperrung.

Versuchen wir selbst, die möglichen Folgen eines solchen Schrittes einzuschätzen. Die Schließung des Luftraums oder die Verhängung einer Flugverbotszone über der Ukraine würde den Einsatz von US-Luftstreitkräften bedeuten, um die Luftverteidigung des Landes zu gewährleisten und gegebenenfalls Luftangriffe abzufangen. Kurzum: Dies wäre ein unmittelbarer Kriegseintritt der USA gegen Russland – etwas, das schon für Biden nicht hinnehmbar war und ebenso auch für Trump inakzeptabel ist.

Trumps Ziel ist und bleibt es vielmehr, das gesamte Problem auf Europa abzuwälzen und aus dessen Bemühungen Profit zu schlagen, während er gleichzeitig die Bedrohungen für die Vereinigten Staaten minimiert. Trumps Ideal ist aus dieser Perspektive betrachtet somit die aktuelle Situation, in der Europa für Waffen aus US-Fertigung und für US-amerikanische Aufklärungsdaten zahlt, während die Vereinigten Staaten selbst praktisch kein Risiko tragen.

Was würde sich ändern, wenn die USA (hypothetisch) bereit wären, ein solches Risiko einzugehen? Ein einfacher Situationsvergleich macht dies deutlich.

Angesichts der aktuellen Unterstützung für das Kiewer Regime durch die NATO ist es momentan Russland, das die Eskalationsrisiken abwägen muss: Wie würde die NATO reagieren, wenn wir ihre Aufklärungsflugzeuge angreifen oder einen logistischen Umschlagpunkt irgendwo in Europa beschießen würden?

Sollten die USA jedoch beschließen, ihre Flugzeuge auf ukrainischem Territorium zu stationieren, wären sie es, die die damit verbundenen Risiken tragen müssten – darunter auch das Risiko, durch eine ukrainische oder europäische Provokation in einen Krieg mit Russland hineingezogen zu werden.

Im Falle eines Angriffs der Russischen Föderation auf Objekte im Hinterland der Ukraine, einschließlich von Flugplätzen mit stationierten US-Flugzeugen, stünden die USA vor der Wahl: Entweder die von ihnen eingegangenen Verpflichtungen zu brechen oder aber zu deren Erfüllung Russland direkt mit einem Atomkrieg zu drohen – und zwar wegen Interessen, die in krassem Gegensatz zur nationalen Sicherheit der USA stehen.

Dies ist auch der Hauptgrund, warum die USA diesen Schritt nicht gehen werden: Der Wunsch der Ukraine, Washington direkt in den Konflikt hineinzuziehen, ist offensichtlich und sehr stark – und Sicherheitsgarantien für das Kiewer Regime würden in diesem Fall, gelinde ausgedrückt, kontraproduktiv wirken.

Übersetzt aus dem Russischen.

Ilja Kramnik ist Militäranalyst und Experte beim Russischen Rat für Internationale Angelegenheiten sowie Forscher am Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen.

Diesen Beitrag verfasste er exklusiv fürRT

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