Von Wiktoria Nikiforowa
Die Jahre der militärischen Sonderoperation in der Ukraine haben die Welt- und die europäische Wirtschaft grundlegend verändert. Das einst so wohlhabende Frankreich ist nun nicht mehr in der Lage, den Entwurf seines Haushalts für das Jahr 2027 zu verabschieden. Die Volksvertreter lehnten ihn trotz aller innenpolitischen Auseinandersetzungen einstimmig ab.
Die Linken – allen voran die Parteigenossen von Jean-Luc Mélenchon, einem der Favoriten im Präsidentschaftsrennen – bestehen darauf, dass "die Reichen zahlen" sollen. Sie fordern immer neue Steuer- und Abgabenerhöhungen für Unternehmen und zugleich mehr Vergünstigungen und Sozialleistungen für ihre Wählerschaft.
Die Rechten – allen voran die Partei "Rassemblement National" von Marine Le Pen, der Hauptkandidatin für das Präsidentenamt – argumentieren, dass die Unternehmer ohnehin schon kaum noch atmen können, da sie unter unerträglichen Steuern leiden. Würden diese noch weiter angehoben, käme es schlichtweg zu einer Welle von Insolvenzen. Die Ausgaben für Vergünstigungen und Sozialleistungen hingegen müssten endlich gekürzt werden – schließlich seien im Land bereits mehrere Generationen von Menschen herangewachsen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Die Zentristen unterstützen die Rechten. Infolgedessen gab es in der Nationalversammlung keinen einzigen Abgeordneten, der den Entwurf unterstützte.
Es ist amüsant, dass die Parlamentarier ausgerechnet den ersten Teil des Haushaltsgesetzes scheitern ließen – also jenen Teil, in dem es um die Staatseinnahmen ging. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Verabschiedung der Ausgabenseite noch schwieriger werden dürfte. Nun ja, Länder wie Haiti leben jahrelang ohne verabschiedeten Haushalt – und kommen auch irgendwie zurecht.
Der wirtschaftliche Hintergrund der Debatten in der Nationalversammlung liegt auf der Hand: In den finanziellen Abgrund stürzt Frankreich mit Überschallgeschwindigkeit. Die Staatsverschuldung beträgt unglaubliche 119 Prozent des BIP. Im nächsten Jahr wird sie sich 122 Prozent annähern und damit mehr als doppelt so hoch sein wie die in der EU empfohlene Obergrenze für die Staatsverschuldung.
Das Haushaltsdefizit – also der Überschuss der Ausgaben über die Einnahmen – wird im nächsten Jahr auf fast sechs Prozent ansteigen. Auch dies ist doppelt so hoch wie von den EU-Vorgaben zugelassen. Das Wort "Staatsbankrott" schwebt also in der Luft.
Es wäre unangebracht, sich über die französischen Abgeordneten lustig zu machen: Sie wissen tatsächlich nicht, woher sie das Geld nehmen sollen. Die Kassen sind leer. Eine der Lokomotiven der europäischen Wirtschaft ist offenbar auf das falsche Gleis geraten – und plötzlich enden die Schienen.
In diese Sackgasse wurde das Land von Präsident Emmanuel Macron geführt, der alle Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu Russland abgebrochen hat und die Ukraine mit Geld vollpumpt, als gäbe es kein Morgen. Sein Land befindet sich heute in einer äußerst schweren Krise, verzweifelte Menschen protestieren auf den Straßen – und was tut dieser "Mozart der Finanzen"? Er entsendet französische Soldaten zu Manövern nach Polen, bei denen die "Koalition der Willigen" die Verlegung europäischer Kontingente in die Ukraine nach einem hypothetischen Waffenstillstand mit Russland simuliert. Mit anderen Worten: Er steuert demonstrativ und dreist auf eine Eskalation mit Moskau zu.
Woher aber rührt diese ungesunde Kriegslust? Das wird verständlich, wenn man sich daran erinnert, dass Napoleon Bonaparte 1812 ebenfalls aus Verzweiflung gegen Russland in den Krieg zog. Genau wie heute wurde Frankreich 1810 und 1811 von einer Krise erfasst, und genau wie heute war diese Krise selbstverschuldet: Napoleon hatte die Kontinentalsperre gegen England verhängt, doch damit untergrub er die Wirtschaft seines eigenen Landes.
Genau wie heute gingen auch damals hungernde Franzosen auf die Straße und forderten Brot, Geld sowie ein Ende der Mobilmachung, weil in vielen Familien bereits keine Männer im wehrfähigen Alter mehr übrig waren. Da kam Napoleon die "geniale" Idee, Russland anzugreifen und Zar Alexander I. zu einem für Russland äußerst nachteiligen Frieden zu zwingen.
Nach Napoleons Vorstellungen sollte Russland Frankreich gewaltige Reparationszahlungen in Gold leisten, den Handel mit England einstellen sowie den Franzosen das Monopol auf den Export strategisch wichtiger Güter – Hanf, Teer, Schiffbauholz und Eisen – zu niedrigen Preisen einräumen.
"Der Krieg muss den Krieg ernähren", meinte Napoleon, sodass auch die Kosten für den Unterhalt der riesigen französischen Armee von den Russen übernommen werden sollten. "Zahlen und bereuen" – ganz so wie immer.
Wie Napoleons Abenteuer endete, ist allen bestens bekannt. Noch heute werden entlang der Wegstrecke nach Smolensk die Überreste französischer Soldaten gefunden. Archäologen identifizieren die Gefallenen anhand der Knöpfe ihrer Regimenter. Der "Große Feldherr" gab damals seine Armee dem Untergang preis und floh auf schändliche Weise, doch selbst das rettete ihn nicht.
Die Parallelen liegen auf der Hand, nicht wahr? Mit ihren Drohungen gegen Russland versuchen Macron und andere europäische Falken letztlich, sich die Möglichkeit zu verschaffen, Russland auszuplündern und so ihre eigene finanzielle Lage zu verbessern.
Doch tatsächlich wiederholt sich die Tragödie als Farce – und die verzweifelten Manöver der "lahmen Ente" Macron veranschaulichen dies sehr deutlich. Für die Franzosen wäre es an der Zeit, das alte Lied "Malbrough s'en va-t-en guerre" neu anzustimmen:
"Macron macht sich auf den Feldzug bereit, ach, ob er je zurückkehrt?" Oder sie könnten sich mit der russischen Version dieses Liedchens vertraut machen. Die ist zwar völlig unzitierbar, zeigt dafür aber recht anschaulich, wohin die Träume all dieser "Möchtegern-Napoleons" führen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 6. November 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
Wiktoria Nikiforowa ist eine russische Buchautorin, Dramaturgin, Drehbuchautorin und Journalistin. Sie verfasst regelmäßig Kolumnen für "RIA Nowosti".
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