Tier-Thriller: Russland erlebt einen plötzlichen Bärenansturm

Russland wird von einer seit Jahrhunderten beispiellosen Bäreninvasion heimgesucht. Die Tiere dringen selbst in große Städte vor – doch der Kampf gegen sie wird durch den Schutzstatus der Bären erschwert.

Stellen Sie sich vor: Sie möchten nach der Arbeit in einer Großstadt in der Nähe Ihres Hauses parken, doch auf dem Parkplatz treibt ein riesiger Braunbär sein Unwesen. Oder: Sie gehen zum städtischen Friedhof, und dort hält sich eine Bärenfamilie auf. Oder so: Sie fahren mit der S-Bahn, doch an der gewünschten Haltestelle öffnen sich die Türen nicht, und der Zugführer verkündet, dass das Aussteigen wegen der Bären gefährlich sei. Das ist kein Drehbuch für einen absurden Film, sondern die Realität, mit der viele russische Städte in diesem Sommer und Herbst konfrontiert waren.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS wurden im Jahr 2026 in 41 Regionen Russlands Fälle registriert, in denen Bären in besiedelte Gebiete vordrangen – unter anderem tauchten sie auf den Straßen von Städten und Dörfern auf. Am angespanntesten war die Lage in Ostsibirien. In der Region Krasnojarsk haben Fachleute innerhalb von zwei Tagen – am 9. und 10. September – etwa 80 aggressive Bären getötet.

In Burjatien sind Parkplätze und Naturpfade im Transbaikalischen Nationalpark gesperrt, die Schließung des "Gesundheitspfades" in Ulan-Ude wird vorbereitet, und Kinder-, Kultur- und Sportveranstaltungen in Waldnähe sind verboten. Den Einwohnern wird empfohlen, nicht in den Wald zu gehen und keine Wildkräuter zu sammeln. In der Region Irkutsk gelten punktuelle Einschränkungen: Sie betreffen einzelne Naturschutzgebiete und Routen, wobei die Patrouillen vor Schulen und Kindergärten verstärkt wurden. In Transbaikalien setzt man auf die vollständige Schließung besonders geschützter Gebiete.

Die Meldungen über Bären, die sich in die Nähe von Wohnhäusern wagen, gleichen mittlerweile schon Frontberichten. In Njagan streifte nachts ein Bär durch das Gelände eines Krankenhauses und machte sich anschließend in Richtung Kirche und Zentralpark auf. Polizisten verscheuchten das Tier mit akustischen Signalen und trieben es zurück in den Wald.

In Jugorsk wurde ein großer Bär in einem Wohngebiet im Bereich der Straßen Sacharow und Wischnjewaja gesichtet – in der Nähe eines Waldstreifens und eines Müllcontainerplatzes. Fachleute begleiteten das Tier zurück in seinen natürlichen Lebensraum. In der Republik Komi werden Bären auf städtischen Friedhöfen und viel befahrenen Straßen gesichtet. Braunbären dringen direkt ins Stadtgebiet vor – Krasnojarsk, Irkutsk und Magadan sind bereits betroffen, und die Liste dieser Städte wird immer länger.

Es gibt zahlreiche Versionen über die Ursachen des Tieransturms. Einige Experten sagen, dass es in diesem Jahr im Wald an Nüssen und Beeren mangelt, andere, dass der Mensch durch seine nachlässige Entsorgung von Lebensmittelabfällen Raubtiere in Wohngebiete gelockt habe. Wieder andere meinen, dass die Behörden den Zeitpunkt verpasst hätten, an dem man den Bärenbestand aktiv hätte regulieren und Bären präventiv abschießen müssen. Es gibt auch geopolitische Erklärungsansätze – einige Jäger sind der Ansicht, dass viele Bären "Zuwanderer" aus den abgelegenen Wäldern der Regionen Brjansk, Belgorod und Kursk sind. Dort wurden sie durch Kampfhandlungen aus ihren gewohnten Lebensräumen vertrieben – und so haben sie sich tiefer ins Innere Russlands zurückgezogen.

Die Situation wird dadurch erschwert, dass Bären bereits seit sowjetischen Zeiten im Artenschutzbuch stehen und die Jagd auf sie faktisch verboten ist. Die heutige Gesetzgebung ist so ausgestaltet, dass jemand, der ohne Lizenz auf einen Bären schießt – selbst zur Selbstverteidigung –, eine Straftat begeht. Als Reaktion darauf, dass die Raubtiere faktisch russische Städte erobern, ändern die lokalen Behörden ihre gewohnten Vorgehensweisen nur langsam – jedenfalls um ein Vielfaches langsamer als die Bären. Vorerst muss man feststellen, dass die braunen Raubtiere den Kampf um den Lebensraum vorerst gegen den Menschen gewinnen.

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