
Ukrainische Meinungsforscher: Mehrheit für Gebietsabtritte zum Beilegen des Kriegs mit Russland

Mehr als die Hälfte der Einwohner der Ukraine ist bereit, für ein Ende des Konflikts mit der Russischen Föderation territoriale Zugeständnisse zu machen. Indizien hierfür liegen in Form der Ergebnisse einer jüngsten Umfrage der ukrainischen Meinungsforschungsgruppe "Rating" vor.
Betreffende Erhebungen wurden vom 3. bis 5. Oktober 2026 mittels Telefoninterviews durchgeführt. Befragt wurden 1.000 Personen. Die Fehlerspanne betrage maximal 3,1 Prozent.

Daten auf der Website von "Rating" lassen die Folgerung auf eine Ansicht bei 56 Prozent der Ukrainer zu, dass die Ukraine für einen langfristigen Frieden Gebietsabtritte eingehen sollte. Dies allerdings, sofern "handfeste" Sicherheitsgarantien seitens der USA und der EU vorliegen.
Weitere drei Prozent der Befragten halten Zugeständnisse sogar unter allen Umständen einer Beilegung für richtig – wohingegen 35 Prozent jegliche Zugeständnisse ablehnen. Wiederum weitere sechs Prozent machten schließlich keine Angabe.
Auf die Frage nach einem realistischen Weg zur Beendigung des Konflikts antworteten sogar rund 84 Prozent der Befragten, man müsse den Kompromiss suchen. Dieser Anteil setzt sich zusammen aus einerseits rund 57 Prozent der Befragten, die Verhandlungen nur unter Einbeziehung anderer Länder zulassen – und andererseits aus rund 27 Prozent, die es für richtig halten, den Kompromiss sogar in unmittelbaren bilateralen Verhandlungen mit Russland anzustreben. Fünf Prozent enthielten sich einer Angabe, während zwei Prozent der Befragten jeweils eine eigene Variante vorschlugen.
Lediglich neun Prozent sind der Meinung, die Ukraine solle auf Verhandlungen verzichten.
Das Kiewer Internationale Institut für Soziologie (KIIS) hatte bereits Anfang Januar dieses Jahres die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, denen zufolge sich die Zahl der ukrainischen Bürger, die zu territorialen Zugeständnissen zur Beilegung des Konflikts bereit sind, seit dem Jahr 2022 verdreifacht hatte – von 10 Prozent auf 33 Prozent. Damit legen die Ergebnisse der jüngsten Umfrage der Zunftkollegen von "Rating" ein Anwachsen dieses Anteils um relative zwei Drittel nahe – beziehungsweise von einem Drittel aller Bürger auf über die Hälfte, und das innerhalb von dieses Mal nur neun Monaten.
Eigene jüngste Umfragen des oben zitierten KIIS liefern derweil ein etwas anderes Bild. Zwar seien rund 75 Prozent aller Befragten zu Verhandlungen Kiews mit Moskau zum Beilegen des Konflikts bereit – für eine sofortige Waffenruhe und eine Teilung entlang der aktuellen Frontlinie stelle eine ähnlich große Mehrheit von 69 Prozent jedoch die zwingende Bedingung auf, dass Kiew dabei seinen außenpolitischen Kurs beibehalte: Erhalt der Unabhängigkeit der Ukraine, bei der auch ein Beitritt jeweils in die EU und die NATO weiterhin angestrebt werde – und eine Aufrüstung des Militärs. Zudem – und bezeichnenderweise in scheinbarem Widerspruch zum offenbaren Willen zu sofortiger Waffenruhe – halten 53 Prozent der vom KIIS befragten Personen eine wenigstens teilweise Rückeroberung der Territorien für realistisch, die Russland im Laufe seiner militärischen Sonderoperation vom Kiewer Regime befreit hat. Aus den Ergebnissen der KIIS-Umfrage lässt sich also sehr wohl Kriegsmüdigkeit und vielleicht ein Anerkennen der Unterlegenheit des ukrainischen Militärs allen westlichen Hilfen zum Trotz folgern. Allerdings soll es eben kein Frieden sein, sondern eine Waffenruhe zum Aufrüsten und Kräftesammeln vor einer Wiederaufnahme der Kriegshandlungen in Zukunft, wenn man besagte Unterlegenheit wettzumachen hofft. Zur Erinnerung: Einer der Gründe für den Beginn der militärischen Sonderoperation waren Pläne für eine Aufnahme der Ukraine in die NATO, wovor Russlands Präsident Wladimir Wladimirowitsch Putin Ende 2021 in seinem Entwurf gegenseitiger Russland-NATO-Sicherheitsgarantien gewarnt hatte.
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