
Geburtenrate in der EU auf historischem Tiefstand

Die Geburtenziffer in der Europäischen Union ist weiter gesunken. 2024 lag sie bei 1,34 Kindern je Frau – dem niedrigsten Wert seit Beginn der EU-weiten Datenerfassung im Jahr 2001. Das geht aus Daten des europäischen Statistikamtes Eurostat hervor.

Auch die Zahl der Neugeborenen ist zurückgegangen. Im Jahr 2023 wurden in der EU rund 3,665 Millionen Kinder geboren. Damit blieb die Zahl unter der Prognose von etwa vier Millionen Geburten. Gegenüber 2022 sank sie um 5,5 Prozent – der stärkste jährliche Rückgang seit Beginn der vergleichbaren Datenerfassung im Jahr 1961, wie die Financial Times unter Berufung auf Eurostat berichtet.
Spanien besonders stark betroffen
Wie stark die Geburtenziffer innerhalb der EU variiert, zeigt der Blick auf die Regionen: 2024 lag sie in 16 Regionen Spaniens unter einem Kind je Frau. Vergleichbare Werte wurden in sieben Regionen Polens, fünf Regionen Italiens, drei Regionen Griechenlands sowie in jeweils zwei Regionen Deutschlands und Litauens verzeichnet. Für die beiden deutschen Regionen beruhen die Angaben allerdings auf Daten aus dem Jahr 2023.
Auf nationaler Ebene wies Bulgarien mit 1,72 Kindern je Frau die höchste Geburtenziffer auf, gefolgt von Frankreich mit 1,61. Damit lag jedoch auch der Spitzenwert deutlich unter dem Bestandserhaltungsniveau von rund 2,1 Kindern je Frau. Dieser Richtwert gilt als notwendig, um die Bevölkerungszahl langfristig ohne Zuwanderung stabil zu halten.
Auch die Entwicklung über einen längeren Zeitraum verdeutlicht das Ausmaß des Rückgangs. In Griechenland, Italien, Spanien, Polen, Finnland und den baltischen Staaten sank die Zahl der Geburten innerhalb von zehn Jahren um mindestens ein Viertel, schreibt die Financial Times.
Gründe für den Geburtenrückgang
Als mögliche Ursachen für den Geburtenrückgang nennt die Financial Times wirtschaftliche und politische Unsicherheiten, steigende Lebenshaltungs- und Wohnkosten sowie unsichere Beschäftigungsperspektiven. Auch der Klimawandel, geopolitische Spannungen und die Folgen der COVID-19-Pandemie werden als mögliche Einflussfaktoren angeführt. Dem Bericht zufolge erreichte die Geburtenrate in der EU Mitte der 1960er-Jahre ihren Höhepunkt. Seitdem ist sie deutlich gesunken und liegt inzwischen etwa auf dem Niveau der USA.
Die anhaltend niedrige Geburtenrate dürfte langfristig auch die öffentlichen Haushalte stärker belasten. Wenn die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt, während die Ausgaben für Renten und Gesundheitsversorgung steigen, wächst der finanzielle Druck auf die Sozialsysteme. Wie stark dieser ausfällt, hängt unter anderem von der Beschäftigung, der Produktivität und der Migration ab.
Auch in Russland und der Ukraine sinkt die Geburtenzahl
Niedrige Geburtenziffern sind auch außerhalb der EU ein Thema. In Russland lag die zusammengefasste Geburtenziffer 2024 bei rund 1,4 Kindern je Frau. Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete die niedrige Geburtenrate im Juli desselben Jahres als "katastrophal für die Zukunft der Nation". Peskow sagte dazu:
"Wir leben im größten Land der Welt. Und jedes Jahr werden wir weniger. Dem lässt sich nur entgegenwirken, indem die durchschnittliche Geburtenziffer steigt."
Auch in der Ukraine verschärft sich die demografische Entwicklung. Im ersten Halbjahr 2026 wurden dort rund 73.000 Kinder geboren – 17 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Dies erklärte der Demograf Dmitri Schuschpanow vom ukrainischen Institut für Demografie am 23. Oktober 2026 im Sender Kyiv24. Einen derart starken Rückgang habe es 2024 und 2025 nicht gegeben, so der Experte.
Demografische Entwicklung als politische Herausforderung
Die sinkenden Geburtenzahlen beschäftigen auch politische Entscheidungsträger. Im Januar 2026 sprach der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez von einem "demografischen Winter", mit dem Europa und die westlichen Gesellschaften konfrontiert seien. Er verwies dabei auf die Bedeutung von Familienpolitik und Zuwanderung. Im August 2026 warnte der US-Unternehmer Elon Musk angesichts sinkender Geburtenzahlen vor einem möglichen Aussterben westlicher Staaten.
Für Russland erwarten Experten mögliche Veränderungen in den kommenden Jahren. Fachleute des Instituts für Sozialanalyse und Prognose der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst rechnen damit, dass sich die Geburtenentwicklung bis 2035 steigen könnte. Als einen Grund nennen sie den Eintritt geburtenstärkerer Frauenjahrgänge, die 2010 und später geboren wurden, ins gebärfähige Alter.
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