
Von Iran erbeuteter Unterwasserroboter offenbart neue Arbeitsprinzipien der US-Rüstungsindustrie

Von Alexander Timochin
Das von Iran erbeutete autonome unbemannte Unterwasserfahrzeug Dive-LD ist ein Produkt der Firma Anduril, das in erster Linie für die Unterwasseraufklärung bestimmt ist. Nach Angaben des Herstellers verfügt das Gerät über Hydroakustik- und Navigationsausrüstung und kann etwa zehn Tage lang autonom operieren. Es ist 5,8 Meter lang, misst an der breitesten Stelle 1,2 Meter im Durchmesser und wiegt knapp drei Tonnen. Die angegebene maximale Tauchtiefe beträgt 6.000 Meter.
Die US-Marine erhält solche Unterwasserfahrzeuge seit dem Jahr 2025. Zum Verlust des Geräts erklärte ein Vertreter der US-Marine, es handle sich um ein "älteres Modell". Daraus lässt sich schließen, dass der US-Marine auch modernere Exemplare zur Verfügung stehen.
Das Gerät wurde von vornherein unter der Annahme entwickelt, dass es in die Hände eines Gegners fallen könnte. Besonders geheime Ausrüstung, deren Verlust unter keinen Umständen hinnehmbar wäre, befindet sich daher nicht an Bord. Allerdings werden die Iraner aus diesem Fund sicherlich viele nützliche Erkenntnisse gewinnen.

Wie berichtet wird, war das Unterwasserfahrzeug bereits seit Längerem in der Straße von Hormus im Einsatz und ging aufgrund einer technischen Störung verloren. US-Medien zufolge wurde es zur Suche nach von Iran gelegten Minen eingesetzt.
Dabei ist ein besonders interessantes Detail zu beachten. Ein Gerät, das bis zu zehn Tage lang unter Wasser verschiedenste militärische Aufgaben erfüllen kann, auch in großer Tiefe, muss tatsächlich weitgehend autonom arbeiten. Von dem Moment an, in dem es so tief abtaucht, dass sich seine Antenne vollständig unter Wasser befindet, bis zu dem Moment, in dem es wieder auf dieselbe Tiefe aufsteigt, muss es sich vollständig selbst steuern.
Es muss sich selbstständig in Unterwasserströmungen orientieren, die Abdrift und seine aktuelle Position bestimmen, verhindern, dass es in weichen Bodenschlamm eintaucht, Untiefen umfahren sowie alle erforderlichen Informationen erfassen und in maschinenlesbarer Form speichern. Er muss sich vom Ort der Kampfeinsätze zum Auftauchpunkt begeben, die gesammelten Daten per Funk (beispielsweise über Satellit) übertragen und anschließend erneut zu einem Kampfeinsatz zurückkehren. Auch auf das Erscheinen oder Verschwinden eines Gegners muss es seine Vorgehensweise selbstständig anpassen.
Dies erfordert eine sehr leistungsfähige künstliche Intelligenz (KI). Und eine solche befindet sich an Bord – andernfalls könnte das Gerät schlicht nicht funktionieren. Das wirft unweigerlich die Frage auf, wo die US-Marine außer in der Straße von Hormus derzeit noch weitere, ähnliche Systeme gegen ihre Gegner einsetzen könnte.
Das veröffentlichte Foto deutet darauf hin, dass das Gerät über einen rekonfigurierbaren Innenraum im unteren Teil des Rumpfes verfügen könnte. Und wenn dem so ist, drängt sich eine weitere Frage auf: Könnte es selbst Minen an einer vorgegebenen Stelle auslegen? Theoretisch müsste die Antwort zumindest lauten: eher ja als nein. Dies ergibt sich unmittelbar aus dem, was über die Wertvorstellungen und Prioritäten des US-Militärs bekannt ist.
Damit lässt sich vermuten, dass die USA derzeit über die technische Möglichkeit verfügen, Minen an beliebigen Orten auszulegen, ohne dafür auf U-Boote und Luftfahrzeuge zurückzugreifen, deren Einsatz traditionell geheimdienstlich überwacht wird. Offen bleibt lediglich, in welchem Umfang solche Minenlegeoperationen möglich sind. Die US-Marine macht keinen Hehl daraus, dass sie bereits zur breiten Einführung unbemannter Unterwasserfahrzeuge, darunter auch autonomer Systeme, in den Flottenbetrieb übergegangen ist.
Spezialisierte Einheiten für den Einsatz unbemannter Unterwasserfahrzeuge wurden in den USA bereits seit Mitte der 2010er Jahre aufgebaut, durchlaufen jedoch derzeit eine Umstrukturierung. Für Operationen im Pazifik wurde die 1. Staffel für unbemannte Unterwasserfahrzeuge (UUVRON 1) aufgestellt, für den Atlantik die 3. Staffel (UUVRON 3). Natürlich können beide auch in anderen Teilen der Welt operieren und dabei keineswegs nur einen einzigen Typ solcher Unterwasserfahrzeuge einsetzen.
Es wurde ein operatives Zentrum für den Einsatz unbemannter Unterwasserfahrzeuge eingerichtet. Daneben gibt es ein eigenes Kommando für unbemannte Systeme sowie operative Einheiten. Auf deren Emblemen sind übrigens Haie und Krokodile zu sehen, die Minen und Torpedos zwischen den Zähnen beziehungsweise in den Klauen tragen – und das hat seinen Grund. Und nun zeigt sich, dass auch autonome Unterwasserfahrzeuge mit künstlicher Intelligenz und der Fähigkeit zum selbstständigen Handeln bereits im Dienst der US-Marine stehen.
Zwei Aspekte sind dabei besonders wichtig. Der erste ist die künstliche Intelligenz selbst. Wir wussten bereits, dass KI-Systeme wie Palantir Maven oder vergleichbare Lösungen nachrichtendienstliche Informationen auswerten und es ermöglichen, die Zahl der Angriffe, die mit denselben Kräften durchgeführt werden können, erheblich zu steigern. Ebenso ist bekannt, dass verschiedene unbemannte Systeme die militärische Stärke eines Landes weitgehend unabhängig von seiner Bevölkerungszahl machen können. Doch künstliche Intelligenz, die unmittelbar in einem Waffensteuerungssystem eingesetzt wird, ist eine andere Größenordnung.
Nun wird die Entkopplung der Truppenstärke von deren Kampfkraft absolut – autonome Kampfsysteme benötigen keine menschlichen Bediener, und zwar selbst dann nicht, wenn nur ein Bediener für mehrere Einheiten zuständig wäre. Und möglicherweise werden wir alle mit genau diesen Systemen konfrontiert sein.
Der zweite Aspekt betrifft die Unternehmen, die KI in den militärischen Alltag integrieren. An erster Stelle steht natürlich Palantir – ein Entwickler und Anbieter von Lösungen zur Auswertung von Aufklärungsdaten, zur Truppenführung und zur Prognose der weiteren Lageentwicklung. Palantir hilft der Ukraine bei der Auswahl von Zielen und bei der Planung von Angriffen auf Objekte auf russischem Territorium. Eine weitere wichtige Größe im Bereich militärischer KI ist Anduril. Das Unternehmen spezialisiert sich auf die Entwicklung technisch relativ einfacher und kostengünstiger Waffensysteme, die jedoch mithilfe von KI gesteuert werden.
Diese beiden Unternehmen sind im Grunde genommen die ersten Vorboten eines neuen amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes. Sie sind neue "Haifischzähne" und nehmen den traditionellen Giganten der US-Rüstungsindustrie wie Boeing oder Lockheed Martin rasant Marktanteile ab.
Anduril entwickelt und liefert an die US-Streitkräfte eine Vielzahl von Kampfsystemen für Aufklärungs- und Angriffseinsätze, von denen ein erheblicher Teil entweder direkt mittels KI gesteuert wird – wie das von Iran erbeutete autonome Unterwasserfahrzeug – oder unter Einsatz von KI betrieben wird – wie der unbemannte Kampfjet YFQ-44A Fury.
Das erste Unterscheidungsmerkmal der Produkte von Anduril ist die KI, das zweite der Preis. Alle Produkte zeichnen sich durch einen einfachen Aufbau aus, verwenden teilweise Komponenten aus dem zivilen Bereich und weisen zwar keine besonders hohen taktisch-technischen Leistungsmerkmale auf, können dafür aber in großen Stückzahlen hergestellt werden.
Diese beiden Faktoren machen den "neuen militärisch-industriellen Komplex" der USA zu einem grundlegend anderen Phänomen als den "alten".
Früher stellte die Rüstungsindustrie teure Produkte her, die nicht in großen Stückzahlen produziert wurden und lange Produktionszyklen aufwiesen. Heute geht es dagegen um kostengünstige, massenhaft hergestellte und technisch einfache Produkte mit kurzen Produktionszyklen – und teilweise autonomer oder halbautonomer Steuerung (ein Bediener steuert eine Gruppe von Kampfsystemen, wobei einige Funktionen gar keinen Bediener erfordern).
Kein Wunder also, dass sowohl Palantir als auch Anduril mit der Wucht eines Rammbocks in den US-Rüstungsmarkt eingedrungen sind und ihren Konkurrenten dabei ohne große Rücksicht immer größere Anteile der staatlichen Budgetmittel abnehmen. Ihr Einfluss wächst kontinuierlich. Palantir ist für Aufklärung und Prozesssteuerung inzwischen nahezu unverzichtbar geworden. Anduril kauft zahlreiche kleine Unternehmen auf, die sich mit militärischen Innovationen befassen, und dringt aktiv in ganz unterschiedliche Bereiche vor: Unterwasserfahrzeuge, Drohnen, stationäre Aufklärungssysteme und Marschflugkörper. Und all dies basiert auf neuen "ideologischen" Grundsätzen – Massenproduktion, niedrige Kosten und häufig Autonomie.
Diese Giganten werden das Erscheinungsbild des US-Rüstungskomplexes zunehmend prägen und damit auch die Ansätze bei der Entwicklung und Herstellung von Waffen verändern – schon allein aus diesem Grund lohnt es sich, sowohl ihre Produkte im Auge zu behalten als auch zu beobachten, wie insbesondere die iranischen Streitkräfte nun mit diesen Waffen konfrontiert werden. Und das ganz abgesehen davon, dass das Dive-LD auch in der Nähe russischer Marinestützpunkte eingesetzt werden kann.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 14. September 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Alexander Timochin ist ein russischer Journalist, der Artikel zu militärtechnischen Themen schreibt, hauptsächlich über die Marine.
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