Europa

Wie ein verzogenes Kind: Selenskij beißt gern in gebende Hände

Längst ist klar, dass die Ukraine als Staat ohne westliche Hilfe zusammenbrechen würde. Aber Wladimir Selenskij verhält sich, als hätte er einen Anspruch darauf, mit Geld und Waffen versorgt zu werden; ja, als wären ihm seine Gönner zu Dank verpflichtet.
Wie ein verzogenes Kind: Selenskij beißt gern in gebende Hände© Urheberrechtlich geschützt

Von Dagmar Henn

Dass aktuell die Stimmung zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Machthaber Wladimir Selenskij schlecht ist, ist vermutlich eine Folge des europäischen Verhaltens der vergangenen Jahre – Selenskij wie auch andere ukrainische Vertreter (man denke an den ehemaligen Botschafter in Deutschland Andrei Melnyk) haben sich wiederholt ausfallend ihren Gebern gegenüber geäußert, aber das hatte nie Konsequenzen. Im Gegenteil, auf die nächste Anfrage hin gab es weiteres Geld. Allerdings hatte diese Toleranz Kiew gegenüber eine Vorgeschichte bereits vor Selenskij – wenn Kiew gegen die Vorgaben des Minsker Abkommens verstieß, hatte es auch keinerlei Kritik seiner westlichen Verbündeten gegeben.

Selenskij jedenfalls erklärte bereits Anfang 2022, als seine Forderung nach einer Flugverbotszone über der Ukraine keinen Erfolg hatte, die westlichen Freunde seien mit verantwortlich für Tote in der Ukraine. Ein Tonfall, den er beibehielt – im September 2024 erklärte er den westlichen Verbündeten, sie seien zu furchtsam, ihn angemessen zu unterstützen. Waffenlieferungen, die die Ukraine reichlich erhielt, waren nie ausreichend oder rechtzeitig; vor allem waren sie nie eine Gabe, vielmehr ein Recht, das er reklamierte.

So im Herbst 2022: "Aber diejenigen, die von uns benötigte Waffen und Munition haben und ihre Hilfe zurückhalten, müssen wissen, dass das Schicksal dieser Schlacht auch von ihnen abhängt." Im Sommer 2024 forderte er das Recht, weitreichende Waffen gegen Russland einzusetzen, und hielt dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden vor, dieser solle "seine langjährigen Sorgen wegen einer möglichen nuklearen Eskalation loswerden".

Im Januar dieses Jahres beschwerte er sich über die Lieferungen von Luftabwehrraketen. Die Lieferungen seien "unzureichend", und mehrere Systeme hätten "keine Raketen". Anfang September hat Selenskij seinen europäischen Verbündeten vorgeworfen, "Diplomatie nach Plan" zu betreiben, da sie in den Sommerurlaub verschwunden seien. "Die vergangenen zwei Wochen waren Europa und die ganze Welt, die uns hilft, in den Ferien."

2023 kursierte vor dem NATO-Gipfel in Vilnius die Information, Selenskij wolle nur anreisen, wenn er dort eine Antwort auf den Antrag auf NATO-Mitgliedschaft erhalte. Die Ukraine ist nicht Mitglied der NATO.

Bereits im September 2023 war Selenskij auch zu offenen Drohungen übergegangen, um seine Forderungen nach Geld und Waffen zu unterstreichen: "Das wird dem Westen Risiken im eigenen Hinterhof bringen. Es ist unmöglich, vorauszusagen, wie Millionen ukrainischer Flüchtlinge darauf reagieren werden, dass ihr Land fallen gelassen wird."

Die deutsche Politik wurde ebenfalls mehrfach direkt zum Ziel seiner Angriffe, beispielsweise der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz. "Scholz und seine Regierung müssen sich entscheiden: Man darf keinen Spagat machen zwischen der Ukraine und den Beziehungen zu Russland", erklärte er im Juni 2022. Im Oktober 2024 forderte er, Scholz müsse Taurus-Raketen liefern und "den Willen zur Unterstützung der Ukraine" beweisen. Im November 2024, als Scholz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert hatte, erklärte Selenskij: "Das ist Olafs Telefonat, das meiner Meinung nach die Büchse der Pandora geöffnet hat."

Übertroffen wurde Selenskij im Umgang mit Deutschen nur noch vom ehemaligen ukrainischen Botschafter Melnyk, der Kanzler Scholz eine "beleidigte Leberwurst" nannte – und trotzdem nicht seine Koffer packen musste.

Kurz nach Amtsantritt von US-Präsident Trump geriet Selenskij mit diesem aneinander. Selenskij beschwerte sich darüber, dass die USA mit Russland in Riad Gespräche geführt hatten, ohne die Ukraine einzuladen, und nannte Trump ein "Opfer russischer Desinformation".

Der erste Besuch Selenskijs bei Trump im Weißen Haus im März 2025 führte sogar zu einer öffentlichen Explosion. Trump nannte Selenskij undankbar und respektlos. Es gab nicht einmal eine Pressekonferenz nach diesem Treffen.

Die Unterzeichnung eines Rohstoffabkommens mit den USA beruhigte die Lage dann wieder – bis Selenskij jüngst auf Trumps Aufforderung, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, mit einem weiteren Angriff auf eine russische Raffinerie erwiderte.

Was daran erinnert, dass Selenskij nicht nur mit Worten beleidigt, sondern auch mit Taten. Die augenblicklich angespannte Atmosphäre zwischen größeren Teilen der polnischen Politik und Selenskij geht darauf zurück, dass dieser trotz polnischer Proteste eine Einheit der ukrainischen Armee "Helden der UPA" nannte, nach einer ukrainischen Nationalistentruppe, die Massaker an Polen verübt hatte, und mit großen Zeremoniell einige dieser Nationalisten nach Kiew umbetten ließ. Die polnische Reaktion bestand in der Aberkennung des höchsten polnischen Ordens, der Selenskij zuvor verliehen worden war.

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